Die Supernasen

von | 23. Mai 2018 | News

SPÜRHUNDE: Sie wittern Krebserkrankungen, spüren Schimmel, Drogen und Bargeld auf. Hunde helfen bei der Suche nach Vermissten und können Ganoven die Anwesenheit am Tatort nachweisen. Laut einer Studie in Leipzig reicht den Vierbeinern sogar die menschliche DNA als Schlüsselreiz. Personensuchhunde – Mantrailer genannt – werden jahrelang darauf trainiert, selbst kleine Geruchsspuren von Gesuchten noch nach vielen Tagen zu erschnuppern – und diesen zu folgen.

Gerüche, die für den Menschen nicht wahrnehmbar sind, legen für Hunde leuchtende Hinweise, denen sie folgen können. Dieser Individualgeruch ist so einzigartig wie die Person, die ihn besitzt. Als eine Mischung aus chemischen und biologischen Abbauprodukten des menschlichen Körpers – wie Hormonen, Schweiß und Parfum – hinterlegt so jeder Mensch automatisch eine Geruchsspur von sich auf seinem Weg. Unausgebildete Vierbeiner können zwar die Vielfalt der Gerüche wahrnehmen, aber nur trainierte Suchhunde sind in der Lage zu unterscheiden, welcher Spur sie folgen müssen, um die gesuchte Person zu finden. Hat ein ausgebildeter Suchhund einmal den Geruch eines Menschen von einem getragenen T-Shirt oder Schal aufgenommen, kann er diesen auch noch viele Stunden oder sogar Tage später ausmachen und verfolgen. Das sogenannte Mantrailing, die Personensuche durch ihre Fährte, kann also nur von speziell dafür ausgebildeten Hunden durchgeführt werden.

Mantrailerhunde wie Bloodhounds haben bis zu 250 Millionen Riechzellen, etwa 20-mal mehr als der Mensch. „Bei Hunden ist das Gehirn zudem mehr auf das Riechen angelegt als beim Menschen“, betont Prof. Andreas Thum von der Universität Leipzig. Bis zu zehn Prozent des Hundegehirns diene dem Riechen, beim Menschen seien es etwa 0,1 Prozent. Durch die komplexere Verschaltung im Gehirn können die Vierbeiner daher millionenfach sensitiver riechen als Menschen.

Mantrailing hat seinen Ursprung in der Rettungsund Polizeihundearbeit in Belgien, England und den USA. In Deutschland haben die Gründerinnen des K 9 Suchhundezentrums, Alexandra Grunow und Rovena Langkau, die Standards des Mantrailings entscheidend beeinflusst und gestaltet. Seit Jahren unterstützen sie verschiedene Polizeipräsidien und Landeskriminalämter deutschlandweit ehrenamtlich in den Bereichen Rettung und Forensik in Realeinsätzen.
Diesen Erfahrungsschatz und ihr umfangreiches Wissen geben sie in ihrer Ausbildung von K-9 Trail-Trainern weiter und haben so bereits viele einsatzfähige Personenspürhunde für verschiedene Organisationen und Rettungshundestaffeln erfolgreich ausgebildet.

Im Mittelpunkt ihrer Seminare steht das Trailen im Profibereich. Sowohl Mantrailing (Menschensuche) als auch PetTrailing (Tiersuche) verlangen Hund und Besitzer viel ab. Während das Mantrailing eine Verpflichtung zu einer aktiven Mitgliedschaft in einer Rettungshundestaffel als ausgebildeter Suchgruppenhelfer und eine Einsatzfähigkeitsprüfung beinhaltet, beanspruchen die Ausbildung und die darauffolgenden Einsätze viel Ausdauer und Zeit. Der beste Freund des Menschen kann dadurch nicht nur lernen, den Menschen zu helfen. Trailing hat auch eine positive Auswirkung auf den Hund beziehungsweise auf die gesamte Hund-Mensch-Beziehung.

Dies steht bei K-9 im Vordergrund: „Neben den Erfolgen in der Rettungshundearbeit fasziniert uns vor allem die nachhaltig positiven Veränderungen von verhaltensauffälligen Hunden besonders im Bereich der Angstthematik.“, so Grunow. Hier wird auf die individuellen Bedürfnisse jedes Vierbeiners eingegangen, ob unsicher oder gehandicapt. Es soll ausschließlich über positiven Erfolg gelernt werden.

So bietet schon das einfache BasicTrailen eine ideale und artgerechte Auslastung jedes Hundes. Das Trailen als reine  Beschäftigung ist auch für ältere Hunde oder Hunde mit Handicap geeignet. Wer hier einen Schritt weiter gehen möchte, kann an AdventureTrailings teilnehmen. Das gemeinsame Erleben von Extremsituationen schweißt Vierbeiner und Besitzer zusammen. Gehen die Ambitionen über das Beschäftigungstrailen hinaus, kann es sogar als Hundesport mit Prüfungssystem und Meisterschaften in den Bereichen Street, Cross und Indoor ausgeübt werden. Der Energie des eigenen Vierbeiners sind hier keine Grenzen gesetzt. Trailen kann aber auch konkret als Therapie-Unterstützung für Hund und Mensch eingesetzt werden. Beim TheraTrailing werden ängstliche Tiere oder andere Themenhunde, die beispielsweise unter Hyperaktivität, Bindungsproblemen, Aggressionen oder Ähnlichem von einem Trainer mit entsprechender Zusatzausbildung betreut. Dagegen werden Vierbeiner für die Erlebnispädagogik speziell ausgebildet und kommen bei der Arbeit mit traumatisierten oder kranken Kindern zum Einsatz. K-9 organisiert beispielsweise mit ihren sogenannten „red:dogs“ in Kooperation mit der Non-Profit  Organisation „Beschützerinstinkte“ Abenteuertage, um die Kinder aktiv bei ihrer Genesung zu unterstützen.

TEXT: Lisa Betz – BILD: K-9 Grunow & Langkau

HINTERGRUND:
WAS HUNDE ALLES AUFSPÜREN

  • PERSONENSUCHHUNDE: Die sogenannten Mantrailer werden jahrelang darauf trainiert, selbst kleine Geruchsspuren von Gesuchten noch nach vielen Tagen zu erschnuppern – und diesen zu folgen. Studien haben belegt, dass die feinen Nasen in geschlossenen Räumen noch Monate später nachweisen konnten, dass ein Verdächtiger am Tatort war.
  • SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG: Rauhaardackel „Hoheit“ ist darauf trainiert, den asiatischen Laubholzbockkäfer zu finden. Dieser gilt als einer der gefährlichsten Schädlinge für Laubhölzer weltweit. „Hoheit“ ist im Dienst des Freistaats Bayern und hat dort drei Kollegen.
  • SCHIMMELSPÜRHUND: Schimmelspürhunde werden in Deutschland seit mehr als 15 Jahren eingesetzt. Sie können auch flüchtige Verbindungen, die der Mensch erst in hohen Konzentrationen wahrnimmt, schon in geringeren Mengen erschnüffeln.
  • DIABETIKER-WARNHUNDE: Die speziell ausgebildeten Hunde können Diabetiker vor einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung bewahren. Der Vierbeiner hilft einem Patienten, Stoffwechselentgleisungen zu erkennen, indem er dies durch erlerntes Verhalten wie etwa Bellen rechtzeitig anzeigt.
  • KREBSHUNDE: Japanische Forscher haben bei Tests herausgefunden, dass ein speziell trainierter Labrador Darmkrebs in einem frühen Stadium erschnüffelt. Bei „Schnüffeltests“ fand der Hund mit einer Trefferquote von über 90 Prozent die belasteten Proben heraus. Die höchste Trefferquote hatte das Tier bei Proben von solchen Patienten, die sich im frühen Krebsstadium befanden.
  • BANKNOTENSPÜRHUNDE: Einige Bundesländer setzen Banknotenhunde bei Ermittlungen rund um Untreue,  Unterschlagung, Diebstahl und Raub bis hin zu Erpressung und Geldfälschung ein. Die Tiere stöbern Geldnoten sogar in Wandtresoren auf, die hinter einer Holzvertäfelung versteckt sind. Die Hunde erkennen neben dem Euro auch alte D-Mark-Scheine, zahlreiche Fremdwährungen sowie Falschgeld.