Einsatzbericht Maxi

von 2. Juni 2016Tiersucheinsatz

MAXI ist wieder zu Hause!!!

31.Mai 2016, 13:30 Uhr …Uschi Erckmann und ich sind auf dem Weg nach Unterafferbach, ein Dorf das am westlichen Rand des Spessarts in Bayern liegt.
Ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, Rüde, 5 Jahre, Name Maxi, wird seit 2 Tagen schmerzlich vermisst. Während eines Gassi Gangs konnte er sich bei Rehkontakt samt 3m Leine mit großer Schlaufe losreißen. Reh und Hund verschwanden im großen, angrenzenden Waldstück. Es gab bisher keine weiteren Sichtungen. Vermutlich hängt Maxi fest.

Über die zentrale deutschlandweite Notrufnummer von K-9® Suchhundezentrum wurde das Hilfegesuch der Besitzer am Abend des 30.05.16 an unsere Gruppe in Hessen weitergeleitet. Anna-Lena Osthoff übernahm die weitere telefonische Betreuung und bereitete alle Daten auf, die es zur Suche braucht.
Nach einer knappen Stunde Fahrt kommen wir gegen 14:30 Uhr am Einsatzort an. Es ist schwül trotz wolkenverhangenem Himmel. Am Vortag gab es in der gesamten Umgebung extreme Gewitter mit außergewöhnlich hohen Regenmassen. Das Gebiet ist waldreich, sehr steiles Gelände mit großem Wildaufkommen. Wir wissen … das kann schwierig werden!

Die nette Besitzerin, Frau S., hat bereits Maxi`s Hundedecke in einen Müllsack gepackt. Wir nehmen mittels sterilen Kompressen mehrere Geruchskopien, verstauen diese in kleinen Gläsern.
Sie erläutert noch einmal vor Ort das Geschehen und bezeichnet die Stelle an der Reh und Hund letztlich in den Wald entschwanden.
Wir beraten uns … das wird unser vorläufiger Ansatzpunk.

15:07 Uhr Uschi Erckmann startet mit ihrem Hund Moritz. Wir quälen uns steile Hänge hinauf und wieder hinunter. Nach 1km und 23 Min. später erreicht Moritz wieder den Ausgangspunkt. Wie die getrackte Aufzeichnung zeigt, hat er ein großes Gebiet nordwestlich unterhalb eines weiteren Bergrückens eingekreist.

15:57 Uhr … der 2. Hund, Rosie wird zur Überprüfung am selben Startpunkt angesetzt. Mittlerweile kommt die Sonne durch und es ist noch schwüler. Rosie umkreist ein weiteres großes Gelände, diesmal nordöstlich des Berges ein. Nach 1,4 km und 29 Min. später erreicht auch sie wieder den Ausgangspunkt.
Beide Hunde haben gut gearbeitet und auch das Wild ignoriert! Wir vermuten, dass Moritz und Rosie aufgrund der Thermik ein Problem haben sich über den Bergrücken zu arbeiten. Nach einer weiteren Besprechung erwägen Uschi und ich die Autos umzusetzen und einen andren Startpunkt hinter dem Bergrücken zu wählen. Vorher aber wagen wir unterhalb am alten Startpunk noch einen letzten Versuch mit einem jagdlich hoch ambitionierten Hund.

16:59 Uhr wird Yeliz angesetzt. Sie startet zielstrebig verfällt bald in bis zum Schluss anhaltenden Spurlaut. Sie wählt eine Route deutlich westlicher und etwas flacher, arbeitet sich mit uns durch dichtes Gestrüpp und tiefe Gräben. Sie rumst mehrfach in Geschirr, da wir die Steigungen nicht in ihrem Tempo schaffen.
Nach etwa 1,1 km quer durch den Wald den Berg hinauf stoßen wir am Kamm auf eine kleine Kapelle, die zu einem Waldfriedhof gehört. Wir treffen dort auf die grade mit dem Auto eingetroffene Besitzerin. Eine Nachbarin, die mit ihrem Hund ebenfalls in diesem Gebiet unterwegs war, hatte sie telefonisch verständigt, nachdem sie Hundegebell gehört hatte. Wir verharren kurz und lauschen. Nichts!

Da, plötzlich können wir es hören … ein für Schweißhunde typisches Bellen. Das MUSS Maxi sein!
Ein kurzes „weiter“ und Yeliz setzt ihr Suche lautstark fort. Auch Maxi bellt weiter. Nach nur etwa 250 m können wir mit der glücklichen Besitzerin Maxi im dichten Gestrüpp sichern. Er hat sich tatsächlich mit der Leine verfangen.
Die Freude bei allen Beteiligten ist riesengroß und nicht wenige Tränen fließen.

Nachbetrachtung:
Durch den anhaltenden Spurlaut von Yeliz wurde Maxi animiert mit einzustimmen und konnte so letztlich auf sich aufmerksam machen und den Zugriff erleichtern.
Der weitere Plan, den Ansatzpunkt wegen der Thermik in das Gebiet hinter dem Berg zu verlegen hätte mit großer Wahrscheinlichkeit auch zum Erfolg geführt.
Wir sind sehr stolz. Alle Hunde haben toll gearbeitet! Yeliz hat einige Blessuren und Abschürfungen am Bauch mitgebracht und wurde abends noch mit Wundsalbe verarztet.

Eigenlob stinkt nicht immer! Uschi und ich sind ein klasse Team. Wir trailen schon viele Jahre zusammen und können unsere Hunde auch gegenseitig bestens lesen. Es ist jedes Mal eine Freude gemeinsam einen Einsatz zu bestehen. Auch wenn er nicht immer so freudig endet.

Erwähnt werden müssen hier auch unbedingt die Menschen, die im Hintergrund dazu beigetragen haben, dass diese Suche ein Erfolg wurde … Elke an der Notrufhotline und unsere Frontfrau am Telefon Anna-Lena Osthoff. Sowie alle anderen aus unserm Team, die mit uns gefiebert haben.
Der Kontakt mit den Besitzern war ausgesprochen freundlich. Frau S. hat sich am nächsten Tag noch einmal gemeldet und berichtet, dass es ihrem Hund trotz der 2 Tage an denen er auch während des Gewitters festhing, gut geht. Sie war sehr interessiert an unserer Arbeit, denn sie trailt auch gelegentlich mit Maxi in einer Hundeschule. Bei einem Ausbilder für Jagdhunde wird Maxi ebenfalls trainiert … unter anderem wurde hier in letzter Zeit die lange und freie Ablage mit dem Führer außer Sicht geübt. Möglicherweise eine Erklärung dafür, dass Maxi nicht versucht hat sich selbst zu befreien. Die Halsung hatte Spiel …es hätte gelingen können.

In der Gruppe wurde im Vorfeld diskutiert möglicherweise erst den Mittwoch bis zur Suche abzuwarten. Auch ich war dieser Meinung. Im Nachhinein bin ich jedoch froh, dass wir das anders entschieden haben.

Viele Liebe Grüße Ellen Chevalier
Dietzenbach, den 2.6.2016