Einsatzbericht Nikita 24.12.2016

von 8. Januar 2017Tiersucheinsatz

Am 23.12.2016 ereilte die Hotline ein Anruf, dass ein Terrier-Mix aus jagdlicher Motivation dem Nachbarn beim Gassigang entlaufen sei.

Zu diesem Zeitpunkt sah es noch so aus, als wenn Nikita, so heißt die Hündin, ohne Leine und Geschirr unterwegs sei und läuft.

Nach dem Beratungsgespräch stand fest, dass Nikita nicht unweit des Entlauf Ortes von einem Auto angefahren wurde.

Durch diese Information sah die Lage schon etwas anders aus. Es war kalt, Nikita war definitiv verletzt, laut Zeugenaussagen lief sie humpelnd davon.

Da wir nur Zeugenaussagen anderer Autofahrer hatten, von dem Unfallverursacher aber jede Spur fehlte, war es nicht möglich die Schwere der Verletzung einzuschätzen.

Aus diesem Grund beschlossen wir in den Einsatz zu gehen um Nikita zu suchen, obwohl sie ohne Leine und Geschirr unterwegs war und es keine akute Gefahr gab das der Hund hängen konnte.

Wir avisierten den Einsatz für Nikita am Heiligen Abend den 24.12.2016 um 9.00 Uhr – Treffpunkt war in Maintal an einem Sammelpunkt von dem aus wir dann gemeinsam zu einem Treffpunkt mit der Besitzerin fuhren.

Wir waren an diesem morgen mit 2 Hunden und einem Helfer im Einsatz.

Nach einem kurzen Gespräch mit der Besitzerin, gab es noch eine kurze Einsatzbesprechung und dann ging es auch schon los.

Christiane Wildhirt (Hundeführer) fuhr zusammen mit Katja Ratzmann (Helferin) und der Besitzerin zu dem letzten Sichtungspunkt der Hündin nach der Verunfallung.

Dort war geplant Daemon anzusetzen, um uns eine Richtung zu zeigen in die Nikita geflohen sein kann. Die ersten Meter waren bekannt, aber wie Nikita von da aus vermutlich voller Panik floh, war unklar.

Beim Anriechen war Daemon schon anzusehen, dass hier sehr viel Adrenalin im Spiel sein musste. Trotz des scheinbar unangenehmen Geruchs arbeitete sich Daemon zuverlässig vom Unfallort weg, in die angenommene Laufrichtig von Nikita. Zuerst erschien es als wolle Daemon in ein Meer von Brombeerbüschen trailen, nur ein schmaler Trampelpfad, an deren Ende ein Durchgang tatsächlich auf eine dahinterliegende Wiese war. Dort angekommen orientierte sich Daemon kurz und arbeitete sich dann weiter einen steilen Berg hoch, entlang einer Koppel an dessen Ende der eigentliche Weglaufpunkt von Nikita war. Zu dem sie wie wir jetzt feststellen konnten wohl auch wieder versucht hat zurück zu kehren nach der Verunfallung, leider hat sie dort niemand angetroffen, da alle auf der Suche nach Nikita waren. Hier wird es wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, am Entlauf Ort zu bleiben.

Nachdem sich Daemon dort kurz aufgehalten hat, ging sie sicher in Richtung des nächsten Ortes, Niederdorffelden, weiter, welches in entgegengesetzter Richtung zum Heimatort lag. Aufgrund des Verkehrsaufkommens schien sie die richtige Richtung gemieden zu haben.

Moritz lief ähnlich wie Daemon, lediglich einen Weg versetzt und bog etwas später ab, kam aber am selben Gebüsch heraus und zeigte sich hier ebenso auffällig.

Uschi beschloss Moritz, an genau dieser Stelle aus der Suche heraus zu nehmen.

An dieser Stelle gab es zwei Möglichkeiten:

Entweder lag Nikita aktuell in diesem Gebüsch oder hielt sich zumindest über Nacht dort auf, weil es durchaus sehr geschützt und ruhig war.

Nachdem unsere Hunde versorgt waren, durchkämpften wir mit der Besitzerin und einigen Helfern das Gestrüpp. Es stand jedoch bald fest, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht darin aufhielt. Aus diesem Grund sollte Uschi mit Moritz starten, ob er sich von dem Gebüsch wegarbeitet. Er zeigte zunächst die selbe Stelle an wie vorher, drehte dann aber ab, ging an dem Gebüsch entlang und lief auf einem Feldweg weiter. Sein Suchverhalten ließ jedoch nicht erkennen ob er noch eine eindeutige Spur hatte. Zudem war es stark windig, was die Suche auf offenem Feld nicht vereinfachte. Aus diesem Grund nahmen wir Moritz auch hier wieder heraus und brachen die Suche ab, da wir von diesem Gebüsch nicht eindeutig wegkamen.

Wegen der Richtung, die unsere Hunde eingeschlagen hatten und der Tatsache, dass Nikita tatsächlich das Gebüsch als Schlafplatz genutzt haben muss, gingen wir davon aus, dass sie zumindest noch fit genug war um laufen zu können. Die Wahrscheinlichkeit war somit hoch, dass sie sich noch bewegte, was eine weitere Suche mit Hunden ggf. sogar gefährlich werden ließ. Häufig führt das fortsetzen der Suche in einem solchen Fall dazu, den gesuchten Hund vor sich her zu treiben. So rieten wir den Besitzern, Nikita`s Decke, die sie nahe der Unfallstelle hinterlassen hatten, an den Entlauf Ort zu legen. Laufrichtung, Verkehr und Charakter der Hündin, sprachen dagegen, dass sie versuchen würde nach Hause zu laufen.

Zusätzlich wurden die Besitzer angewiesen Schleppen zu legen. Hierzu sollten sie aus mehreren Richtungen sternförmig auf die Box zu laufen und dabei ein getragenes Kleidungsstück geruchsverstärkend hinter sich herziehen. Da sich Hunde sehr stark über den Geruch orientieren, hat sich dieses Verfahren als sehr hilfreich erwiesen.

Am nächsten Morgen erhielten wir die Nachricht, dass Nikita durch eine Frau in Niederdorffelden mit dem Halsband im Zaun hängend aufgefunden wurde. Sie konnte von der Polizei gesichert und zur Besitzerin zurückgebracht werden.

Zusammenfassend stimmte die Richtung, die unsere Hunde eingeschlagen hatten, genau. Das angezeigte Gebüsch wird mit größter Wahrscheinlichkeit als Ruheplatz gedient haben. Wann sie dies verlassen hat, lässt sich leider nicht ganz genau bestimmen. Nikita konnte mit einer gebrochenen Pfote und einem Schreck in die Tierklinik gebracht werden, wo sie operiert wurde und bereits wieder auf dem Weg der Besserung ist.

nikita-besitzer